Erfahrungsberichte unserer Gasteltern aus dem Sommeraufenthalt 2008

Danke schön!

Am Ende dieses Schuljahres werden unsere beiden Gäste Artjum und Maxim aus der Schule entlassen und so war es klar, dass sie im Sommer 2008 zum letzten Mal mit dem Kindertransport kommen würden.

Auch in diesem Jahr hatten wir eine gute Zeit miteinander, Fußballspielen und Fahrradfahren – auf unseren glatt asphaltierten Straßen sehr beliebt - auch gelegentliche kleine Einkäufe erledigten sie selbständig. Täglich fuhren sie mit mir zur Schule und hatten viel Spaß, wenn sie donnerstags bis in die Abendstunden bei Natascha auf mich warten mussten.An den Wochenenden zeigten wir ihnen das schöne Lipperland und schafften es auch endlich mal zum Kaiser Wilhelm, den sie ja täglich vom Auto aus auf dem Schulweg sahen. In der dritten Woche wurden sie merklich stiller und ich machte mir schon Sorgen, dass es ihnen wohl nicht mehr bei uns gefallen würde.

Natascha konnte das Rätsel lösen: Sie wollten nicht nach Hause und nun konnte ich auch verstehen, dass die Mutter des einen fast täglich bei uns anrief. Auch sie hatte wohl Angst .......

Als ich nach ihrer Abreise in das Gästezimmer kam, um das Bett abzuziehen,fand ich folgenden Zettel auf dem Nachtisch:

Danke schön! Wir bauen gut Zeit.

Und anstrengen sich treffen.

Wunschen sie alles gut.

Noch mal danke schön.

Kommen zu wir Sommer.

              Entschuldigung bei Fehler.

Ob wir es im Sommer nach Weißrussland schaffen?

                                 Karla Hoppe

 

Drei unvergessliche Wochen mit Anton und Kiryll
bei den Gasteltern Uta und Manfred Sievert

 

Ein Tschernobyl-Kind?  Ja, gerne stellen wir uns als Gasteltern zur Verfügung und nehmen für 3 Wochen ein Tschernobyl-Kind bei uns auf!

Das war unsere spontane Antwort, als wir von Herrn Großklags angesprochen wurden.

Er hatte in der Vergangenheit schon Tschernobyl-Kinder in seiner Familie aufgenommen.

Als wir dann anhand der Namensliste sahen, dass der uns zugedachte Junge erst 10 Jahre alt war und für einen weiteren Jungen noch Gasteltern gesucht wurden, hatten wir nicht lange nachgedacht und entschieden: Wir nehmen auch den 2. Jungen auf. Das Zimmer ist groß genug für 2 Kinder und sie können sich in der für sie ungewohnten Umgebung auch mal untereinander austauschen.

 

Als dann der Tag der Ankunft näher kam, wurden wir doch etwas unsicher.

Klappt die Verständigung? Wir sprechen kein russisch, die Kinder  wohl kein deutsch.

Wie werden sie sich bei uns einleben? Verstehen sich die beiden, sie sind sich ja auch fremd und dann in der für sie völlig ungewohnten Umgebung? Was wird, wenn sie Heimweh bekommen?

All diese Gedanken waren wie weggeflogen, als uns dann morgens nach der Busankunft bei der Waldorfschule eine von den 4 deutsch sprechenden Begleiterinnen zuerst Anton und dann auch Kiryll vorstellten und sie mit Informationen über ihren Gesundheitszustand unserer Obhut anvertrauten.

 

Die Beiden wurden von uns montags bis freitags morgens zum Busbahnhof in Minden gebracht, von wo sie mit einer kostenlos zur Verfügung gestellten Fahrkarte immer zusammen mit einer der 4 Begleiterinnen zur Waldorfschule gefahren sind.

Mittags wurden sie dann wieder von uns vom Busbahnhof abgeholt.

An 2 Tagen wurden von den Organisatoren für alle Tschernobyl-Kinder Ausflüge zur Balitherme in Bad Oeynhausen  und zum Safari-Park in Stuckenbrock organisiert. Ein besonderes Erlebnis für alle Kinder war auch eine Kanufahrt auf der Weser von Vlotho bis zum Bootsanleger des Kanuklubs in Porta.

Die übrige Zeit und auch die Wochenenden verbrachten unsere beiden Gäste, die wir schon nach kurzer Zeit wie unsere eigenen Enkelkinder ansahen, zusammen mit uns in der Familie. Dazu gehörten auch Besuche bei unseren Kindern und unseren Enkelkindern.

Es war dabei schön anzusehen, wie sich Anton und Kiryll auch ohne Sprachkenntnisse mit uns allen bestens verstanden haben.

 

 

Ein Tagesausflug von uns mit Ihnen nach Cuxhaven und eine Schifffahrt zu den Seehundbänken werden sie wohl nicht vergessen.

Das „schönste“ war für beide aber der fast tägliche Besuch des Sommerbades, für das wir auch einen kostenlosen Eintritt erreichen konnten.

Wenn sie mittags aus der Waldorfschule nach Hause kamen, war die ersten beiden Worte immer: Essen, Schwimmen, wobei das Essen zweitrangig war.

Da beide aber nicht schwimmen konnten, wie wir feststellen mussten, hat sie immer einer von uns ins Schwimmbad begleitet. Dabei haben wir Ihnen „mit Händen und Füssen“ die Grundzüge des Schwimmens beigebracht und kurz vor Ende ihrer Rückereise haben Sie sogar die „Seepferdchen“-Prüfung bestanden. Wir hatten das Glück, das ihnen der Bademeister die Zeugnisse auch ins Russische übersetzte, was sie ganz stolz machte.

Für das Tischtennis-Spielen im Garten, das Grillen und für abendliche Familiespiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ waren so gut wie keine Russisch-Kenntnisse erforderlich,

so dass die 3 Wochen für uns – und wie empfanden auch für die beiden Jungens - wie im Fluge vorübergegangen sind und auch uns der Abschied sehr schwer viel.

 

Dass sie sich wohlfühlten, zeigte beim Abschied ihr Wunsch, im kommenden Jahr wieder kommen zu dürfen, was wir unsererseits auch nicht verneinten, sofern wieder ein Tschernobyl-Kinderaufenthalt organisiert wird.